Quelle: WinFuture / Tom's Hardware, 20. Juni 2026
AMD hatte mit dem Firmware-Update AGESA 1.2.7.0 die hardwarebasierte Speicherverschlüsselung TSME bei Consumer-Prozessoren der Ryzen-9000-Serie stillschweigend deaktiviert — ohne Ankündigung, ohne Changelog-Eintrag, ohne Erklärung. Ad Hoc News
Aufgefallen ist das nicht AMD selbst, sondern einem Nutzer, der sein System auf Sicherheitslücken überprüfte. Er meldete das Fehlen von TSME auf GitHub. Ein leitender AMD-Entwickler lehnte dort zunächst eine Stellungnahme ab — was den Verdacht nährte, AMD wolle die Funktion künftig exklusiv der teureren Ryzen-Pro-Serie vorbehalten, wo sie unter dem Namen Memory Guard vermarktet wird.
Was TSME eigentlich tut: Die Funktion schützt den Arbeitsspeicher über einen prozessorseitig generierten Schlüssel vor sogenannten Cold Boot Attacks — Angriffe, bei denen jemand mit physischem Zugang sensible Daten direkt aus dem RAM extrahiert. Kein Software-Overhead, kein Setup, einfach aktiv. Genau das macht den stillschweigenden Wegfall so ärgerlich.
Nach lautem öffentlichem Unmut ruderte AMD zurück. In einer offiziellen Stellungnahme gegenüber Tom's Hardware bestätigte das Unternehmen die Entfernung von TSME — bezeichnete sie aber als Versehen. Ein AGESA-Update im Juli soll die Funktion wiederherstellen.
Ob das tatsächlich ein Versehen war, lässt sich nicht abschließend klären. Technisch teilen sich Consumer- und Pro-Prozessoren dasselbe Chip-Design — die Voraussetzungen für TSME sind auf allen Zen-Prozessoren physisch vorhanden. Die Entscheidung, es zu deaktivieren, war also keine technische Notwendigkeit.
Was bleibt: Ein Hersteller hat ein Sicherheitsfeature ohne Vorwarnung entfernt, die Community hat es bemerkt, und öffentlicher Druck hat die Kehrtwende erzwungen. Das Juli-Update kommt — aber das Vertrauen, das dabei verloren gegangen ist, kommt nicht mit.
0 Kommentare